Ein persönlicher Rückblick
25 Jahre im Musikverein St. Josef
Ja das ist schon eine lange Zeit.
Mit 7 Jahren begann ich im Verein die Klarinette zu spielen. Zugegeben, ich war nicht die Fleißigste im Üben, aber ich habe durchgehalten. Auch ich hatte zwischendurch einen Durchhänger. Aber mit der Unterstützung meiner Eltern war diese Phase schnell überwunden. Ich konnte endlich bei den „Großen“ mitspielen. Ich weiß noch wie stolz ich war, in der Uniform auf der Straße mitzugehen.
Dann, vor 15 Jahren, stand aus der Not heraus, plötzlich Theo Savio vor mir. Ich sollte den Klarinettenunterricht für den Verein übernehmen. Ich war sehr unsicher und wusste gar nicht, ob ich das überhaupt kann. Ich habe die Herausforderung angenommen und bin an ihr gewachsen. Über 50 Schülerinnen und Schüler sind seit dem Tage durch meine Hände gegangen. Leider ist nur ein Bruchteil geblieben.
Es gab Zeiten, da hatte ich 10-12 Schülerinnen und Schüler. Das hieß 5-6 Stunden Klarinettenunterricht am Freitagnachmittag nach der Schule. Damals noch in meinem Kinderzimmer und meiner Mutter als Türöffner. Ich erinnere mich an die Trampelpfade die Treppe hoch, wo die Dreckbuchstaben eine Spur legten und die Gegenmaßnahme: alle Schüler mussten im Eingangsbereich die Schuhe ausziehen. Ob der Käsefüßegeruch oder der Anblick von Frühkartoffeln soviel besser war – ich lasse das mal so stehen. Meine Hochachtung noch heute für die Geduld meiner Mutter und das Ertragen der manchmal schrägen Töne, ohne jemals etwas dagegen zu sagen. Ich war selbst zeitweilig am Limit, weil ich einfach müde war nach der Schule und dann noch so viele Stunden dranhängen musste. Wieso eigentlich musste? Es hat mich keiner gezwungen. Ich habe es gerne gemacht. Es erfüllt mich auch heute noch mit Stolz, wenn „meine“ ausgebildeten Schülerinnen und Schüler am Freitag auf der Probe sitzen und kräftig mitspielen und wenn sie in Uniform gekleidet auf der Straße bei den Umzügen mitgehen. Ich glaube, gerade wegen des Klarinettenunterrichts habe ich heute im Studium zur Lehrerin für Pflegeberufe meinen beruflichen Weg gefunden.
Großes Glück hatte ich während meiner beruflichen Ausbildung und auch als ich danach im Beruf stand und Schichtdienst hatte. In dieser Zeit stand meine Schwester Barbara mir als Hilfe zur Verfügung, sodass wir uns den Unterricht teilen konnten. Auch Bettina Schiffer und Kathrin Schüttler haben für kurze Zeit für Entlastung gesorgt, wenn der Andrang allzu groß wurde. Heute würde ich mir solche Hilfen nochmal wünschen, denn die Doppelbelastung von Studium und Beruf zehrt sehr an meinen Kräften.
Um den Nachwuchs mache ich mir zurzeit keine Sorgen. Die außerordentlich gute Zusammenarbeit mit den beiden Ratheimer Grundschulen sorgt dafür, dass wir immer wieder neue Kinder für ein Blasinstrument begeistern können und der Musikverein weiter existieren kann. Zurzeit sind 25 Kinder und Jugendliche bei uns in Ausbildung bzw. spielen schon mit. Das ist eine bemerkenswerte Zahl und ich hoffe, dass ich noch möglichst lange an der Ausbildung dieses Nachwuchses mitwirken kann.
Susanne Höbig, 2009